Briloner Innenstadt muss gestärkt werden - GMA stellt Einzelhandelsgutachten vor

Der Briloner Einzelhandel wurde von der GMA = Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung durchleuchtet. Es wurden hierbei über 2.500 Briloner Bürger ausführlich befragt. Über die Kon-sequenzen aus dem Gutachten und die Auswirkungen auf den Einkaufsstandort Brilon sprach der BRILONER ANZEIGER mit dem Vorsitzenden des Briloner Gewerbevereins Christian Leisse.

BA: Herr Leisse, am Mittwoch haben Frau Küpper und Herr Berger von der GMA ihr Gutachten über die Entwicklung des Einkaufsstandorts Brilon vorgestellt. Was ergibt sich daraus? Brauchen wir in Brilon mehr, oder sogar weniger Einzelhandel?
Christian Leisse: Weder noch! Mit 2,4 m? Verkaufsfläche im Einzelhandel pro Einwohner liegt Brilon fast 20% über dem Landesdurchschnitt von 2,02 m?. Auch die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung macht keine zusätzliche Ansiedlung von Geschäften nötig. Der von der GMA ermittelte zusätzliche Flächenbedarf ist ein rein rechnerischer Wert und stellt keine Empfehlung für die Schaffung zusätzlicher Verkaufsflächen dar. In den letzten 20 Jahren hat sich die Verkaufsfläche des Einzelhandels um 59% auf insgesamt 65.610 m? erhöht. Die Flächenerhöhung im Bundesdurchschnitt liegt bei 56%.

BA: Woher kommen die Kunden des Briloner Einzelhandels?
Christian Leisse: 80% der Kunden kommen aus der Stadt Brilon und den Ortsteilen. 6% sind aus Olsberg, je 2% kommen aus Marsberg, Willingen und Bestwig. Lediglich 2% der Befragten waren Touristen. Dieser doch niedrige Wert resultiert aus der Tatsache, dass die Befragung im November durchgeführt wurde. Im Jahresmittel fällt der Anteil sicherlich höher aus.

BA: Gibt es denn Branchen bezogen Defizite in Brilon?
Christian Leisse: Sicherlich fehlt in Brilon mehr Angebot im Bereich Elektronik und Möbel. Durch die Ansiedlung eines Elektronikmarktes in Brilon wird das eine Marktsegment abgedeckt werden. In der Möbelbranche macht sich der Verdrängungswettbewerb seitens der großen Häuser in den Ballungsräumen hier, wie auch andernorts, bemerkbar. Diesem branchenimma-
nenten Trend kann man nicht entgegenwirken. Allerdings attestiert das Gutachteen dem Standort Brilon einen funktionierenden Einzelhandel mit weitestgehend gut sortiertem Branchenmix. Die Kaufkraft- und Zentralitätskennziffern belegen, dass Brilon sich über einen Kaufkraftzufluss freuen kann.

BA: Was sagt das Gutachten über die weitere Entwicklung der Briloner Innenstadt aus?
Christian Leisse: Die GMA ist für den Erhalt der zentralen Versorgungsbereiche in der Innenstadt. Die Auslagerung von Sortimenten in die Peripherie bedeutet eine Kaufkraftschwächung für die Innenstadt. Ausschlaggebend für die Entscheidung sich im Außenbereich anzusiedeln sind u.a. wesentlich niedrigeren Grundstückspreise. Auf der anderen Seite bleiben dadurch unschöne Brachflächen in der Innenstadt
bestehen. Das einzige Mittel diese Entwicklung abzuwenden ist
ein rechtsgültiger Bebauungsplan. Wenn eine Einzelhandelsansiedlung in den Außenflächen nicht mehr möglich ist, wird sich der Investi-
tionsdruck im Innenstadtbereich erhöhen. Das Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Ansiedlung von Billigmärkten oder eines Postenmarktes in den Außenbereichen kann so nicht stehen
bleiben. Erfahrungsgemäß befinden sich in den Innenstadtbereichen
die Fachgeschäfte mit tariflich bezahlten Arbeitsplätzen. Bei den im Außenbereich geschaffenen Stellen handelt es sich häufig um nicht tariflich bezahlte Arbeitsplätze. So werden durch diese Billiglohnarbeits-
plätze gut bezahlte Arbeitsverhältnisse in der Innenstadt gefährdet. Auch diese soziale Komponente sollte seitens der Politik unter dem Hintergrund später zu zahlender Sozialleistungen berücksichtigt werden.

BA: Welches Fazit zieht der Briloner Einzelhandel aus dem Gutachten?
Christian Leisse: Um den Einzelhandelsstandort Brilon zu erhalten, muss eine baldige Entscheidung über die Erstellung eines Bebauungsplans erfolgen. Dieser bietet dem bestehenden Einzelhandel verbindliche Planungssicherheit für Investitionen und die Entwicklung der Innenstadt ist weitgehend sicher gestellt.
BA: Herr Leisse, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Mit Christan Leisse sprach Norbert Schnellen.

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